Dirigenten in der Geschichte der BSZ

In vielen Jahren haben verschiedene Dirigenten die Bürger-Sänger-Zunft mit unterschiedlichem Geschick geleitet. Doch nur einige haben die Zunft nachhaltig geprägt.

Den Anfang machte Franz Xaver Degele (1840-1847). Hauptberuflich sang er im Chor des Hoftheaters, dem heutigen Nationaltheater. Er musste 1840 den Chor völlig neu aufbauen. Viele der Chormitglieder konnten keine Noten lesen, und so stellte sich Degele hin und spielte auf der Geige jedem Sänger seine Stimme vor. Es gab zwei Übungen pro Woche. Damals unterschied man noch zwischen Übungen und Proben. In den Proben wurde das Konzert vorbereitet, während in den Übungen zusätzlich Lieder gesungen wurden. Nachdem die erste Chorprobe am 24. September 1840 stattfand, trat er schon am 21. April 1841 das erste Mal mit dem Chor auf. Degele arbeitete bis 1847 bei der Zunft. Dann wählte ihn die Mitgliederversammlung ab, da man mit ihm unzufrieden war, man befürchtete zu „erschlaffen und Mitglieder zu verlieren“.

Konrad Max Kunz

Mit dem Dirigenten Konrad Max Kunz (1855 -1864 und 1866 -1869) ist die Bürger-Sänger-Zunft eng verbunden. Kunz wurde am 29. April 1812 in Schwandorf in der Oberpfalz geboren. Sein Vater war Stadttürmer und konnte seinen begabten Sohn gut in die Musik einführen. So hat er schon als Kind bei diversen Gelegenheiten in der Kirchenmusik oder bei Volksvergnügungen und weltlichen Festlichkeiten aufgespielt. Im Gymnasium hat er nicht nur die Schulbank gedrückt, sondern sich auch als Dirigent des Schulorchesters bewährt. Sein Studium der Theologie nahm er 1829 in Amberg auf, wo er auch als Universitätsorganist tätig war. 1832 ging er an die Universität nach München, erst an die theologische Fakultät, 1833 an die juristische. Doch 1837 gab er das Studium ohne einen Abschluss auf, um nun als Musiklehrer und Chordirigent in München sein Geld zu verdienen. Eine erste Anstellung fand er im Verein Frohsinn, wo er andere Größen der Musikszene Münchens, Franz Lachner, J. K. Aiblinger und Joseph H. Stuntz kennenlernte. 1840 gründete er aus dieser Gesangsgruppe des Frohsinns einen eigenständigen Chor unter dem Namen „Münchner Liederkranz“ Franz Lachner förderte Kunz und holte ihn als Direktor für die Chor- und Bühnenmusik an die königliche Oper. Der Erfolg der Wagner-Opern ist nicht nur dem berühmten Dirigenten Hans von Bülow, sondern auch den Choreinstudierungen durch Kunz zu verdanken.

1855 übernahm er zu der Operntätigkeit auch die musikalische Leitung der Bürger-Sänger-Zunft. Sowohl für den Münchner Liederkranz als auch für die Bürger-Sänger-Zunft hat Kunz Lieder komponiert und arrangiert. Die Bayernhymne ist das einzige noch heute bekannte Werk von ihm. 1864 verließ er die Zunft, da er sich mit dem Vorstand zerstritten hatte.

Josef August Holzinger (1864) und Max Zenger (1864 – 1866) waren aber kein guter Ersatz für Kunz. So ging die Bürger-Sänger-Zunft wieder auf Kunz zu und konnte ihn überreden, sein Dirigat wieder aufzunehmen. So war er von 1866 bis 1869 zum zweiten Mal Dirigent der Zunft. In seinen letzten Lebensjahren litt er sehr unter der Gicht. Deswegen wurden viele Proben von Chormitglied Federlein geleitet. 1869 hat er die Zunft endgültig verlassen. Am 3. August 1875 ist er in München gestorben.

Ernst Schwaiger

Ernst Schwaiger (1871-1888) war Opernsänger und damit sehr geeignet, den Chor anzuleiten. Er bemühte sich sehr, das Niveau des Chores anzuheben. In seiner Amtszeit entwickelte sich das Orchester zu einem eigenständigen Klangkörper. Es gab im 19. Jahrhundert immer wieder Versuche, ein Instrumentalensemble zu installieren. Doch erst das 1884 gebildete Orchester blieb bestehen und ist heute noch als Symphonieorchester aktiv. Das Orchester hatte seine eigenen Dirigenten, der die Proben leitete. Trat das Orchester in einem Konzert mit dem Chor auf, übernahm der Chordirigent die Leitung. Ansonsten dirigierte der Orchesterdirigent die rein instrumentalen Stücke. Die 1871 begonnene Ära unter dem Dirigenten Schwaiger endete 1888 mit seinem Tod. Er hat einiges für die Zunft geleistet, geriet aber am Ende bei einigen in die Kritik. Viele Zunftmitglieder wollten sich nur zum fröhlichen Zusammenkommen bei der Probe treffen und ein wenig zur Unterhaltung singen. Schwaiger dagegen wollte mit seinem Chor gute Musik machen, ein Konflikt, den wir auch heute noch kennen. Trotz der Differenzen wurde dem langjährigen Dirigenten von der Zunft im großen Stile die letzte Ehre erwiesen und damit sein Engagement für die Zunft gewürdigt.

Mit Professor Heinrich Schwarz (1891-1904) hatte die Zunft wieder großes Glück. Er war Pianist und Musikprofessor an der Musikhochschule. Er widmete einige seiner Kompositionen der Zunft. Unter ihm hat die Zunft ihr erstes Stuhlkonzert gegeben. Vorher gab es nur Unterhaltungskonzerte, während Schwarz auch die ernste Musik förderte. Mit ihm entstanden einige interessante Projekte, so wirkte die Zunft bei der Eröffnungsfeierlichkeit des von Gabriel von Seidl erbauten Künstlerhauses mit. Ab 1900 wurde Schwarz wegen Krankheit immer öfters daran gehindert, die Proben zu leiten. 1904 musste er endgültig wegen seiner schlechten Gesundheit den Dirigentenstab niederlegen.

Richard Trunk

1907 stellte man als neuen Singmeister den noch jungen Richard Trunk ein. Neben Kunz ist Richard Trunk (1907-1912 und 1918-1925) der wohl bekannteste Dirigent der Bürger-Sänger-Zunft gewesen. Beiden wurde im Lexikon „Musik in Geschichte und Gegenwart“ ein Artikel gewidmet. Der am 10. Februar 1879 in Tauberbischofsheim geborene Musiker studierte in Frankfurt und von 1896 bis 1899 in München Musik. Nach dem Studium fand er bei dem Volkschor Union und bei der Bürger-Sänger-Zunft als Dirigent eine Anstellung.

Trunk hatte den Zunftchor so gut ausgebildet, dass die Zunft eingeladen wurde, bei einem Konzert der Münchner Philharmoniker unter ihren damaligen Chefdirigenten Ferdinand Löwe den Schlusschor der Faustsymphonie von Liszt mitzusingen. 1912 verließ Trunk München, um in New York den Chor Arion Society zu leiten.

Als der erste Weltkrieg1914 ausbrach, kehrte Trunk aus den USA nach Deutschland zurück. Nach dem Scheitern der Revolution war man bemüht, das alte Leben recht schnell wieder aufleben zu lassen. So engagierte man 1918 Trunk wieder bei der Bürger-Sänger-Zunft. Ein Höhepunkt im Zunftleben war die Sängerfahrt nach Klagenfurt. Hier wurden die 300 Zünftler großartig empfangen. Es war eine Demonstration der Freundschaft zwischen Bayern und Österreich. Als man 1925 das Deutsche Museum eröffnete, hat die Zunft den Festakt gesanglich untermalt. Für die drei von der Zunft gesungenen Volkslieder brachte der Verein 210 Sänger auf die Bühne.

Dr. Hans Sachsse (1926-1939) wurde sein Nachfolger. Ihm gelang es, das Niveau des Chores weiter zu heben. 1926 durften daher auch Zünftler bei einem Konzert unter Hans Knappertsbusch im Schlusschor der 9. Symphonie von Beethoven mitsingen. Nur die besten Chöre Münchens waren eingeladen worden, Sänger zu dem Chor zu schicken. Der hohe Anspruch, den Sachsse an die Zunft stellte, gefiel nicht jedem. In der Turmstube des Löwenbräu am Stiglmaierplatz trafen sich jene Zünftler, die lieber Volkslieder singen wollten. 1928 haben sie mit den Turmfalken einen eigenen Verein gegründet, der aber immer noch in Freundschaft mit der Zunft verbunden ist.

Nach dem Krieg übernahm Hanns Ritt (1946-1961) das Dirigat der Zunft. Seine Aufgabe war es, die Zunft nach der Zerstörung wieder aufzubauen. Er hat zusammen mit Herrn Berg bei der US-Militärverwaltung 1946 die Wiederzulassung des Vereins Bürger-Sänger-Zunft veranlasst. Unter schwierigen Bedingungen wurde der Probenbetrieb wieder aufgenommen. In den 50er Jahren wurden die Kriegsschäden langsam überwunden, und es gab wieder regelmäßig Proben und Konzerte. Dr. Ritt leitete die Zunft bis 1961, dann gab er sein Amt aus Altersgründen auf. 1955 hat man ihn geehrt, indem er zum Meistersänger ernannt wurde.

Gottfried Huber

Gottfried Huber (1963-1991), ein Kirchen- und Schulmusiker, übernahm die künstlerische Leitung. Zusammen mit Victor Cassedanne, Geiger beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, hat er besonders das Orchester gefördert. Der Chor verlor stark an Mitgliedern, da Männergesang in dieser Zeit nicht mehr gefragt war. Für Projekte wurde der Chor durch den Chor von St. Rupert, der auch von Huber geleitet wurde, verstärkt. Zusammen konnte man große Werke aufführen, so wie das Oratorium „Die Schöpfung“ von Haydn. Huber hat nicht nur Konzerte in München organisiert, sondern fuhr mit der BSZ auch in andere Städte, wie nach Murnau, Benediktbeuern, Wolfratshausen, Diessen, etc. Er war eng mit der Zunft verbunden und hat nicht nur die Konzerte, sondern auch die Feste aktiv mitgestaltet.

Helmut Biermeier (1991-1995) folgte am Dirigentenpult, mit dem die Zunft im Frühjahr 1994 eine wunderschöne Woche in Jesolo verbrachte, in der wir die Italiener mit drei Konzerten begeisterten und anschließend im Hotel kulinarisch belohnt wurden. Aufgrund seiner zunehmend ernsteren Erkrankung übernahm 1995 Gerhard Merkl (1995-1998) die Leitung.

Christian Ernst Ziegler

Christian Ernst Ziegler leitete die Zunft von 1998 bis zu seiner Erkrankung 2006. Mit Ziegler kamen einige Damen und Herren seines Carpe Diem Chores zur Zunft, wodurch der seit 1994 gemischte Zunftchor erheblich verstärkt wurde. Nun konnte Herr Ziegler auch größere Projekte angehen, wie ein Auftritt zur 2000 Jahrfeier Regensburgs oder die Aufführung der Agnes Bernauerin von Orff in Alling und eine Orchesterfahrt nach Schwandorf. Hier gaben wir ein Konzert zu Ehren von Konrad Max Kunz und der Bayernhymne.

Julio Mirón

Julio Mirón leitete die Zunft von 2007 bis 2016. Geboren wurde er in Puerto Rico und sein lateinamerikanisches Temperament hat das Niveau der Zunft stark angehoben. Es ist ihm gelungen, starke moderne Akzente zu setzen. So gab die Zunft unter ihm ein Konzert mit zeitgenössischen Komponisten. Auch die Konzertpräsentation ist von Mirón zeitgemäß erneuert worden. Bei dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Haydn hatte er die Idee, die Musik mit Bildern zu begleiten. Zu der Münchner Erstaufführung von Jenkins‘ „The Armed Man“ sollte ein Film gezeigt werden, was aber wegen technischer Probleme nicht gelang. Trotzdem wurden diese Ereignisse von einem professionellen Kameramann eingefangen und geschnitten. Diese DVD und andere CDs und DVDs konnten von Mitgliedern und Freunden der Zunft gekauft werden. Sie waren Teil des multimedialen Konzepts, welche Mirón mit der Zunft anstrebte.

Hans Peljak

Hans Peljak übernahm dann den Chor von 2017 bis 2021. Er erhielt seine Ausbildung am Mozarteum in Salzburg mit dem Schwerpunkt Chorleitung und war auch als Dirigent tätig. Er gründete unter anderem den Mozart-Kammerchor Miesbach. Neben klassischer Musik galt sein Interesse aber auch der modernen Musik. Durch seine gesangliche Ausbildung war er für den Chor ein großer Gewinn. In der Coronazeit probte er den Chor per Internetübungen und unterrichtete die Sänger und Sängerinnen in Einzelunterricht.

Michael Pfeiffer

2022 übernahm dann übergangsweise der in München geborene erfahrene Kirchenmusiker Michael Pfeiffer. Er war nach seinem Studium am Richard-Strauss-Konservatorium Kantor und Organist in München, Unterschleißheim und dann zeitgleich an der Andreaskirche in München Fürstenried. Daneben hatte er die Leitung verschiedener Chöre und Orchester in Aschheim, Eching und Dachau inne. Unter seiner Leitung fand die Neueröffnung des Deutschen Museums statt.

Clara Suckart

Im Sommer 2023 wurde schließlich die erste Frau als Dirigentin der Zunft berufen. Clara Suckart brachte umfangreiche Erfahrungen mit verschiedenen Instrumenten (Geige, Bratsche, Klavier, Orgel, Traversflöte) sowie zahlreichen Chören und Orchestern mit. Sie war nicht nur Gründungsmitglied des Bayrischen Jugendbarockorchesters sondern hatte auch den Chor bei St.-Paul in Augsburg aufgebaut. Sie brachte auch eigene Arrangements in die Chorarbeit ein.

 Bürger-Sänger-Zunft e. V.